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Mit'm Radl nach ganz oben
Der von einem fruheren Radsportler gegrundete Fahrradhersteller der Spitzenklasse CSK gibt den europaischen Herstellern was fur ihr Geld.
von Jim HWANG
Fotos: HUANG Chung-hsin
Jun , 2005 |
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Chang Sheng-kai, Grunder von CSK, fabriziert Rennrader fur die anspruchsvollsten Fahrer.
W ahrend in der Fabrik von Giant, dem grosten Fahrradhersteller Taiwans, Drahtesel von Robotern zusammengesetzt werden, fuhren in einer nicht weit entfernten Fabrik menschliche Arbeitskrafte ahnliche Arbeitsgange von Hand durch. Bei den Handwerkern von CSK, einem Spezialfahrradhersteller in der Gemeinde Dajia (Landkreis Taichung), handelt es sich mitnichten um maschinensturmerische Ludditen, sondern sie sind im Hinblick auf die Fahrzeuge, die sie herstellen, einfach nur auserordentlich pedantisch. "Giant produziert gute Fahrrader in groser Anzahl, aber uberwiegend fur Freizeitradler, wogegen CSK eine kleine Werkstatt ist, welche die besten Rennrader Taiwans fur Profiradler baut", erklart Chang Sheng-kai, der CSK grundete und das Unternehmen mit seinen personlichen Initialen taufte. "Wir zielen auf zwei unterschiedliche Markte ab."
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Chang verfiel dem Radfahren nach dem Abschluss der Oberschule und wurde bald einer von Taiwans besten Radsportlern. Als er im Alter von 30 Jahren seine aktive Wettkampfkarriere beendete, hatte er mehrere asiatische und weltweite Strasen- und Hallenwettbewerbe gewonnen. Im Anschluss an seine Rennfahrerlaufbahn betreute er Taiwans Radsport-Nationalmannschaft als Trainer und machte auserdem einen Fahrradladen auf, in dem er Rader der Ober- und Spitzenklasse verkaufte.
Das Geschaft wurde zu einem Treffpunkt fur Radler, die sich naturlich hauptsachlich uber Fahrrader unterhielten. Haufiges Thema waren dabei die europaischen Marken, welche von den schnellsten Rennfahrern der Welt gefahren wurden. "Italien und Frankreich waren bekannt fur die Herstellung der besten Rennrader, aber alle ihre Produkte hatten ihre Starken wie auch ihre Schwachen", enthullt Chang. Die Radfahrer traumten vom perfekten Rad. "Wir wussten genau, was wir wollten", behauptet er. "Wir wussten auch, dass die italienischen und franzosischen Hersteller nicht dazu neigten, kleine Bestellungen fur Sonderanfertigungen zu bearbeiten." Doch das Geschaft in Changs Laden war stabil, und so blieb es zunachst beim Gerede.
Das Erdbeben der Starke 7,6, das Zentraltaiwan am 21. September 1999 heimsuchte und rund 2400 Menschen das Leben kostete, brachte Chang zum ernsthafteren Nachdenken daruber, wie man Fahrrad-Sonderanfertigungen bekommen konnte. Zwar wurde Changs Laden in Taipeh, rund 150 Kilometer vom Epizentrum des Bebens entfernt, nur geringfugig in Mitleidenschaft gezogen, doch der Schaden in den zentraltaiwanischen Fahrradwerken war betrachtlich, und der Markt fur neue Rader schrumpfte ebenfalls. "Wenn sie keine Rader fur uns machen konnen, warum soll ich dann nicht selbst welche bauen?" schlussfolgerte Chang. Ohnehin wurden fast alle Einzelteile der italienischen Fahrrader in Taiwan hergestellt. "Es schien meine Chance zu sein, die Krise in eine Gelegenheit zu verwandeln."
Chang beschloss, den Worten nun Taten folgen zu lassen und ein besseres Fahrrad zu konstruieren. Seine Entwurfe bestehen aus Teilen, die den spezifischen Bedurfnissen des jeweiligen Radlers angepasst sind, und dank seiner Erfahrung mit dem Verkauf importierter Stahlrosser war es kein Problem, diese Teile aufzuspuren. Mit seinen 20 Jahren Erfahrung und einer Vitrine voller Trophaen konnte er die Hersteller uberreden, ihm die Teile zu liefern, die er wollte. Chang erlautert, dass Radfahrer wie anspruchsvolle Hi-Fi-Freunde sein konnen, die sich ihr Traumprodukt zusammenstellen, indem sie sich verschiedene Teile verschiedener Marken aussuchen.
Am Anfang begann Chang mit dem Fahrradrahmen, den er das Herz des Rades nennt. Fur Radrennfahrer kann der Rahmen Gewinne oder Verluste von Sekunden bedeuten, aber nicht alle Rahmen sind fur alle Strecken geeignet. Rahmen vom neuesten Stand der Technik bestehen normalerweise aus Aluminium und Kohlefasern. Die Fahrer mussen die Wettkampfvorteile beider Materialien gegeneinander abwagen. Aluminium ist leicht und stark. Kohlefasern sind noch leichter, aber nicht so stark. Kohlefaserrahmen kommen haufiger bei Hallenradern zur Anwendung, Aluminiumrahmen eignen sich besser fur Mountainbikes. Die schwereren Alurader sind schnell, aber Bergauffahren wird damit zu einem Problem, wahrend die leichteren Rader auf ebener Flache langsamer sind.
Um fur den Kunden das ideale Rad anzufertigen, muss Chang nicht nur wissen, auf was fur Boden der Rennfahrer strampeln wird, sondern auch wieviel die Person auf dem Sattel wiegt, Korpergrose, Lange der Arme und Beine sowie die Schulterbreite. "Jeder Radfahrer ist anders, und deswegen sollten die Rader es auch sein."
Zur Verbesserung des Images seiner Fahrrader hat Chang einige eher unverstandliche Merkwurdigkeiten der Lieferketten akzeptiert. Die Rohren zur Herstellung der Rahmen etwa werden aus Italien importiert, aber tatsachlich werden sie in Taiwan gefertigt. Als Anfanger, der seinen Markennamen bekannt machen will, nimmt Chang diese doppelten Lieferwege hin, weil ihm die Unterstutzung durch Weltklasse-Lieferanten nutzt. Sobald Chang diese weit gereisten Rohren in seiner Werkstatt liegen hat, werden sie von Handwerkern, die Erfahrung mit der Herstellung fur den italienischen Markt haben, so geschnitten, geformt und geschweist, dass sie Changs Vorgaben entsprechen.
Die geringe Grose der Firma CSK gestattet es Chang, alle seine Fahrrader hochstpersonlich zu entwerfen, so dass er die Qualitat fest unter Kontrolle hat. Daruber hinaus gilt es noch viel mehr Faktoren zu berucksichtigen als nur Grose und Gewicht des Fahrers. So muss Chang zum Beispiel starkere runde Rohren im richtigen Verhaltnis mit flachen Rohren verwenden, die zwar schwacher sind, aber dafur den Luftwiderstand verringern. Chang ist selbst schon mit uber 50 der weltbesten Rennmarken gefahren und ist davon uberzeugt, dass seine Entwurfe die Starken dieser Marken maximieren und ihre Schwachen minimieren, aber es fallt ihm schwer, seine Design- und Konstruktionsprinzipien in Worte zu fassen. "Es ist wie beim Kochen", vergleicht er. "Ein Kuchenmeister weis immer, wieviel Salz er hinzufugen muss, doch eine exakte Antwort auf die Frage, wieviel Gramm Salz er denn nun ins Essen streut, wird er kaum liefern konnen."
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In einem Geschaft in Taipeh werden CKS-Rader zusammengesetzt.
CSK unterscheidet sich nicht nur durch die Mechanik der Rader von der Konkurrenz, sondern auch durch die Speziallackierung der Endprodukte. CSK lackiert seine Rader auf charakteristische Weise, aber jedes Rad kann auch gemas den Wunschen des Kunden von Hand lackiert werden. "Je nach Entwurf konnen bis zu ein Dutzend Lackschichten erforderlich werden", berichtet Lee Chi-lu, der die Lackierwerkstatt leitet, welche die Designs von CSK mit Farbe versieht. "Fur die meisten grosen Hersteller sind das zeitaufwandige Verfahren und die niedrigen Stuckzahlen nicht annehmbar."
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Das Aussehen des Fahrrades hat wenig mit seinem Fahrverhalten zu tun, aber Chang glaubt, dass ein einzigartig lackiertes Rad immer eine auffallige Werbung fur seine Firma ist. Vor ein paar Monaten erregte beispielsweise ein "Erdbeer-Fahrrad", das Chang fur das Erdbeerfest im Landkreis Miaoli hergestellt hatte, grose Aufmerksamkeit und bescherte ihm unter den Besuchern des Erdbeerfestes moglicherweise zukunftige Kunden. Seine Rader mit Sternenbannermuster fanden Beachtung bei den Medien, als zwei zum Schutz von US-Prasident George W. Bush abgestellte Agenten des Secret Service damit herumfuhren.
Als Chang im Jahr 2000 sein erstes Rad der CSK-Marke vollendete, waren abgesehen vom Kettenschaltungssystem alle Teile Made in Taiwan. Chang erinnert sich an ein "Taiwan Bike"-Turnier Ende der neunziger Jahre, bei dem alle Teilnehmer Fahrrader benutzen mussten, die zu hundert Prozent in Taiwan hergestellt waren. Die Auswertung eines nach den Rennen an die Teilnehmer vergebenen Fragebogens ergab, dass die Fahrer mit den einheimischen Kettenschaltungssystemen am wenigsten zufrieden waren. Selbst heute wird der Markt dafur von der japanischen Marke Shimano dominiert, und CSK verwendet gleichfalls Shimano-Teile, da Chang sich die Investition fur die Entwicklung eines eigenen Kettenschaltungssystems nicht leisten konnte. "Ware Taiwan in der Lage, Shimano herauszufordern?" fragt er. "Eindeutig ja. Sind Taiwans grose Unternehmen gewillt, Zeit und Geld zu investieren, wenn es bequemer ist, bei Shimano zu kaufen? Ich bezweifle es." Chang schlug einmal vor, mit grosen Fabrikanten fur einen einheimischen Ersatz zusammenzuarbeiten, wurde aber abgewiesen.
Obwohl Chang vollstes Vertrauen in seine Rader hat, hat er bis zum Aufbau einer groseren Marktprasenz noch einen langen Weg vor sich. Profimannschaften werden laut Chang von Fahrradherstellern unterstutzt, und die Kosten fur die Unterstutzung eines Radprofiteams waren mit mindestens einer Million US$ im Jahr fur CSK derzeit nicht tragbar. Die meisten Nationalmannschaften wahlen dagegen ihre eigenen Renngerate. Da Radler durch ihre in Nationalmannschaften erbrachten Leistungen in Profi-Rennorganisationen hineinkommen konnen, stellen sie hohe Anspruche an ihre Drahtesel. Chang hofft, dass es ihm mit diesen Fahrern als Zielgruppe gelingen wird, durch erfolgreiche Fahrer in dem Gewerbe aufzusteigen. Heute benutzen Nationalmannschaften aus Australien, Malaysia und Sudafrika (um nur ein paar zu nennen) Changs Produkte.
Chang hat seine Rader auch auf internationalen Messen ausgestellt. Trotz der hohen Qualitat seiner Ware leiden seine Verkaufszahlen unter der allgemeinen Auffassung, dass Taiwan nur Freizeitrader produziere. Chang erinnert sich, dass ein japanischer Laden ihm rundheraus mitteilte, man wolle keine taiwanischen Rader in dem Geschaft haben, weil sie qualitativ noch nicht auf der Hohe seien. Doch die Einstellungen wandeln sich allmahlich. So hat beispielsweise Japans groster Fahrradzubehorhersteller angefangen, seine Produkte den CSK-Radern nachzuempfinden. Momentan hat CSK Verkaufer in 15 Landern.
Eine andere Methode zum Aufbau eines Rufes als Rennradfabrikant besteht naturlich im Gewinnen von Rennen. Chang nutzte seine Verbindungen mit in- und auslandischen Radlern, die seinem Wissen uber Fahrrader vertrauen, so dass einige von ihnen CSK-Rennrader fuhren, und die Ergebnisse konnten sich sehen lassen. "Eine Goldmedaille ist uberzeugender als jede Werbeveranstaltung", kommentiert er. Gute Leistungen erregen auch die Aufmerksamkeit professioneller Fachzeitschriften, die CSK-Produkten jetzt mehr Beachtung schenken. Mehrere von Changs Radern wurden in diesen Magazinen mit funf Sternen bewertet -- auf einer Skala mit einem bis funf Sternen.
Doch wodurch werden CSK-Erzeugnisse gegenuber etwa italienischen Funfsterne-Rennradsonderanfertigungen konkurrenzfahig? "Kurzere Lieferzeiten", antwortet Chang. Bei einer italienischen Sonderanfertigung, die sehr wahrscheinlich in Taiwan fabriziert wird, vergehen zwischen Bestellung und Auslieferung sechs Monate bis zwei Jahre. CSK liefert dagegen Modelle, die bereits produziert wurden, in ein bis drei Monaten, und bei komplett neuem Design sind die Rader in hochstens sechs Monaten beim Kunden. CSKs Vorteil ergibt sich zum Teil auch aus dem Hunger eines neuen Konkurrenten. "Die Italiener sagen einem, man solle verschwinden, weil sie gerade Kaffeepause machen", kritisiert Chang, nach dessen Erfahrung die italienischen Produzenten sich weniger von Zeitdruck antreiben lassen. "Wenn Sie aber ein Rad brauchen, meine Tur ist zu jeder Tageszeit offen."
Ein Ausstos von rund 1000 Radern im Jahr wirft aber kaum genug Profit ab, um Fabriken fur die Herstellung von CSK-Waren in Gang zu halten. Zum Uberleben mussen Bestellungen von anderen Marken angenommen werden, und viele Fabrikanten verlegen ihre Betriebe an Orte mit geringeren Produktionskosten. Chang glaubt, dass der aufsteigende Markenname CSK diesen kleinen Werkstatten mehr Geschafte bescheren, ihr Image auf dem Markt verbessern und lukrativere Bestellungen hereinbringen wird. "Das Streben nach groserer Quantitat ist zum Scheitern verurteilt, weil es immer einen Ort mit niedrigeren Produktionskosten gibt", urteilt er. "Ich versuche nicht der Groste zu sein, aber ich will auf jeden Fall der Beste sein."
(Deutsch von Tilman Aretz) |
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